Pflegen geht auch ohne Fesseln!

Eine Initiative zum verantwortungsvollen Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen im Landkreis Haßberge







Was sind freiheitsentziehende Maßnahmen?

 

Freiheitsentziehende Maßnahmen sind nach unserer Rechtsordnung schwerwiegende Eingriffe in die Grund- und Menschenrechte pflegebedürftiger Menschen. Es sind Handlungen oder Gegenstände, die Bewohner daran hindern sich frei fortzubewegen. Dazu zählen Bettgitter, die den Ausstieg aus dem Bett unmöglich machen. Darüber hinaus gibt es viele Maßnahmen wie Gurte im Stuhl, Gurte im Bett oder Stecktische am Rollstuhl.

 

Warum werden solche Maßnahmen angeordnet?

 

Der häufigste Grund für freiheitsentziehende Maßnahmen stellt die Sturzgefahr der Betroffenen dar. Weltweit gibt es jedoch keine Studie über den positiven Effekt von Fixierungen!

Im Expertenstandard Sturzprophylaxe wird deutlich gemacht, dass freiheitsentziehende Maßnahmen keine Stürze verhindern. Zahlreiche Untersuchungen belegen die negativen Auswirkungen von Fixierungen, wie etwa Inkontinenz, Muskelabbau oder Gangunsicherheit.

Außerdem können sich Betroffene schwer verletzen, wenn sie beispielsweise versuchen, das Bettgitter zu übersteigen. 

 

Welche Folgen und Gefahren drohen?

 

Freiheitsentziehende Maßnahmen, die regelmäßig und dauerhaft eingesetzt werden, können zu erheblichen gesundheitlichen Schäden führen. Die Patienten sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Hautabschürfungen, Hämatome, Stress und seelische Probleme sind die Folge. Bei unsachgemäßer Anwendung können freiheitsentziehende Maßnahmen im schlimmsten Fall zum Tod führen. Selbst korrekt angebrachte mechanische Fixierungen können tödliche Folgen haben.

 

Was sagt der Gesetzgeber?

 

Grundsätzlich stellt die Anwendung von freiheitsentziehenden Maßnahmen einen Verstoß gegen die Grundrechte einer Person dar. Nur besonders schwerwiegende Gründe machen eine Freiheitsentziehung durch Bettgitter oder andere Maßnahmen überhaupt straffrei möglich.

Hierfür muss immer eine Genehmigung des Betreuungsgerichtes über die Notwendigkeit der Maßnahme vorliegen. Die Betreuungsrichter erlauben die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen jedoch nur, wenn keine mildere Maßnahme möglich ist.

 

Zu Hause gelten diese Genehmigungsrichtlinien nicht. Manche Angehörige sind deshalb  irritiert von den Richtlinien bei einem Übergang ihres Betreuten in ein stationäres Heim. Kann der Betroffene seine Lage noch einschätzen und willigt er in die Maßnahme ein, liegt keine Freiheitsentziehung vor.

 

Was ist unser Ziel?

 

Die Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser im Landkreis Haßberge sowie der Pflegestützpunkt und die FQA (Heimaufsicht) haben sich zusammengeschlossen, um freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden.

 

Was kann man zur Vermeidung tun?

 

Es gibt bereits eine Vielzahl an Alternativen wie niedrig stellbare Betten, Hüftprotektorenhosen, Sturzprophylaxematten, Kraft- und Balancetraining, vermehrte Beschäftigung am Tag und nach dem Abendessen, Nachtlichter, Gehwagen etc. 

 


Der Werdenfelser Weg im Landkreis Haßberge

Der Landkreis Haßberge geht neue Wege in der Pflege!

 

Am 8. Mai 2012 ist der Startschuss zur Umsetzung des Werdenfelser Weges gefallen.



Verschiedene Referenten teilten Erkenntnisse und erklärten, warum der Werdenfelser Weg begangen werden soll.

Die einzelnen Vorträge können Sie hier downloaden:

 

Der Werdenfelser Weg

Amtsrichter Dr. Sebastian Kirsch, Initiator Werdenfelser Weg

 

Freiheitsentziehende Maßnahmen: Gefahren, Alternativen

Prof. Dr. med. Doris Bredthauer

 

Das Interesse seitens der Pflegeeinrichtungen und Organisationen war enorm. Und auch die Presse hat die Einführung des Werdenfelser Weges im Landkreis Haßberge begleitet.

 

Berichterstattung zum Werdenfelser Weg:

 

Artikel von Sabine Weinbeer

 

Radiobeitrag von Norbert Steiche, Bayerischer Rundfunk


Fernsehbeitrag von TV Touring Schweinfurt

Fotos der Auftaktveranstaltung (Sabine Weinbeer)

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