03.04.2018

Pflegebedarfserhebung 2017

Immer mehr Menschen erreichen heute ein sehr hohes Lebensalter. Vor allem dank des medizinisch-technischen Fortschritts können viele Seniorinnen und Senioren die gewonnenen Lebensjahre aktiv und selbstbestimmt gestalten. Mit der steigenden Zahl älterer und hochbetagter Menschen ist jedoch auch die zahlenmäßige Zunahme der pflege-bedürftigen Menschen verbunden. Dabei bleiben viele Menschen, wenn sie pflegebedürftig werden, so lange wie möglich in der eigenen Wohnung und der gewohnten Umgebung.


Sind die pflegerischen Angebote im Landkreis ausreichend? Welche Maßnahmen sind zur Weiterentwicklung der Pflegeinfrastruktur erforderlich? Diese Fragen stehen bei der jährlichen Pflegebedarfserhebung im Landkreis Haßberge im Vordergrund. Ziel ist es, die vorhandenen Angebote und Strukturen zu erfassen und den Bedarf an weiteren Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten zu ermitteln, erklärt Kathrin Glaubrecht vom Pflegestützpunkt Haßberge.
Das Ergebnis der Befragung 2017 zeigt, dass in der stationären Altenhilfe die genehmigten Dauerpflegeplätze in den letzten Jahren insgesamt gestiegen sind. In den kommen-den Jahren ist eine wachsende Nachfrage nach Kurzzeitpflegeplätzen / Verhinderungs-pflegeplätzen zu erwarten, da immer mehr Pflegebedürftige in der Häuslichkeit versorgt werden, und diese Leistung dringend zur Entlastung von pflegenden Angehörigen benötigt wird. Vorhandene stationäre Kapazitäten sollten daher an den Bedarf angepasst wer-den, so dass ausreichend Plätze zur Verfügung stehen und Angehörige z.B. Urlaub machen können.

Das Tagespflegeangebot wurde im Jahr 2017 landkreisweit ausgebaut. Im Vergleich zu 2016 gibt es jetzt 26 Tagespflegeplätze mehr. Für das Jahr 2018 sind von den Einrichtungen insgesamt 18 neue Plätze eingeplant. Landkreisweit werden in der Tagespflege insgesamt 126 Plätze vorgehalten. Diese teilen sich 229 Seniorinnen und Senioren. Beachtlich ist, dass es aus nahezu allen Ortschaften des Landkreises Gäste in den verfüg-baren Tagespflegeeinrichtungen gibt.

Weiterhin zeigt die Befragung, dass sich seit 2014 die Anzahl der ambulant versorgten Patienten stetig erhöht hat. Die meisten Pflegedienste stockten mit steigender Patienten-zahl auch das Personal auf. Offensichtlich ist aber die Nachfrage in der ambulanten Pflege in 2017 so rasant angestiegen, dass nicht in gleichem Maße Personal gefunden und eingestellt werden konnte.

„Diese Entwicklung ist nicht zuletzt dem Personalmangel, vor allem dem Fachkräftemangel, geschuldet“, erläutert Kathrin Glaubrecht. Die mühsame und immer häufiger auch erfolglose Suche nach qualifiziertem Personal erschwere alle Bemühungen der dringend benötigten Angebotsausweitung im ambulanten Bereich, aber auch in allen anderen Pflegebereichen.

Der im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept prognostizierte allgemeine Mehrbedarf an Pflege- und Entlastungsangeboten ist seit Beginn der Pflegebedarfserhebung im Jahr 2012 klar erkennbar. Auch schlägt sich das Prinzip „ambulant vor stationär“ immer deutlicher in der sich verändernden Nachfrage- und Angebotsstruktur des Landkreises nieder. Das heißt, dass auch im Landkreis Haßberge immer mehr Menschen zuhause gepflegt werden und die Angehörigen immer häufiger Unterstützung dringend benötigen.

Text: Kathrin Glaubrecht