07.08.2015

Im Landkreis gibt es genügend Pflegeplätze

Pflegebedarfserhebung verdeutlicht die Pflegesituation im Landkreis. Mehr Bedarf an Tagespflegeeinrichtungen.


Die im Landkreis Haßberge vorhandenen stationären Pflegeeinrichtungen reichen mittelfristig aus, eine signifikant steigende Nachfrage ist nicht erkennbar. Dies ist das Ergebnis der jährlichen Pflegebedarfserhebung, an der sich alle 21 Pflegeheime, ambulant betreute Wohngemeinschaften, Tagespflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste beteiligt haben.


Im Landkreis Haßberge stehen insgesamt 670 vollstationäre Pflegeplätze zur Verfügung, von denen zum Stichtag 31.12.2014 599 Plätze tatsächlich belegt waren. Im Vergleich zum Vorjahr waren dies 28 Plätze weniger. Die Plätze in beschützenden Einrichtungen sowie in alternativen Wohnformen waren bereits wie im Vorjahr sehr gut ausgelastet. Knapp zwei Drittel der Bewohner und Kurzzeitpflegegäste waren an Demenz erkrankt. Die durchschnittliche Verweildauer in den Pflegeheimen lag bei 34,54 Monaten.


Laut der aktuellen Daten nahmen im vergangenen Jahr 542 Personen Kurzzeitpflege in Anspruch. In den 42 Tagespflegeplätzen wurden 85 Personen betreut. Künftig wird hier eine starke Zunahme erwartet, da die Finanzierung für die Versicherten durch das Pflegestärkungsgesetz verbessert wurde. Vor allem im süd-östlichen Teil des Landkreises wurde eine Unterversorgung in der Tagespflege festgestellt. Es wird angenommen, dass auch in diesem Bereich ein Bedarf an Tagespflege besteht, jedoch durch große Entfernung und Transportprobleme, vor allem von Menschen mit hoher Pflegestufe, das Angebot nicht genutzt werden kann. Allerdings plant der Träger eines Alten- und Pflegeheimes im östlichen Landkreis im Rahmen seines neuen Pflegekonzepts die Errichtung von Tagespflegeplätzen im größeren Umfang. Auch das Konzept für das neue Alten- und Pflegeheim in Knetzgau sieht sechs eingestreute Tagespflegeplätze vor. Das Jahr 2016 wird zeigen, ob diese zusätzlichen Angebote die Nachfrage zufrieden stellen können.


Das ambulante Pflegesystem greift gut, hier kommt es zeitweise zu Kapazitätsüberlastungen und Annahmestopps. Durch den Ausbau von Tagespflege sowie niedrigschwelliger Betreuungs- und Entlastungsangebote – vor allem für demenziell Erkrankte kann dieser Effekt abgefedert werden. Im vergangenen Jahr wurden 1375 Personen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ambulanten Pflegedienste versorgt – eine Steigerung um fast zehn Prozent, wenn man mit den beiden Vorjahren vergleicht.


Seit Einführung des „Werdenfelser Weges“ im Jahr 2012 konnte die Anzahl freiheitsentziehender Maßnahmen (Bettgitter, Bauchgurt, usw.) deutlich reduziert werden. Insgesamt wurden 34 richterliche Beschlüsse in den stationären Einrichtungen erteilt; im Vorjahr waren es noch 82.


Der im Seniorenpolitischen Gesamtkonzept prognostizierte Bedarf an stationären Pflegeplätzen wird durch die baulichen Maßnahmen in den stationären Einrichtungen in den Jahren bis 2017 überschritten. Werden alle geplanten Kapazitätsveränderungen durchgeführt besteht bis zum Jahr 2020 noch Bedarf an 23 zusätzlichen stationären Pflegeplätzen für den Landkreis.  Diese Zahl gilt jedoch nur, wenn der Bedarf nicht durch kleinräumige alternative Wohn- und Pflegeangebote gedeckt werden kann.


Die Nachfrage nach Einrichtungen mit Pflegekonzepten für Menschen mit einer demenziellen Erkrankung (z.B. ambulant betreute Wohngemeinschaften) ist konstant hoch und sollte weiterhin gezielt ausgebaut werden.